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Vergänglichkeit (30.11.2016)

Als ich am 26. Oktober 2004 den ersten Text in der Rubrik "Pranger" geschrieben habe, habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt im Stande sei, sechs dieser Texte zu verfassen, und das auch noch im Abstand von nur jeweils einer Woche. Dies ist nun Pranger Nummer 600, es sind mehr als zwölf Jahre vergangen. Es wird der vorläufig letzte Pranger sein, doch in irgendeiner Form wird es weitergehen, voraussichtlich Mitte Februar. Zwölf Jahre voller Höhen und Tiefen liegen hinter mir, zum Glück haben die freundlichen Zuschriften die weniger freundlichen bei weitem überstiegen. Ich bin alt geworden in dieser Zeit, satt an Jahren, wie das früher ausgedrückt worden ist. Den Rechner, auf dem ich diese Texte tippe, habe ich mehrmals ausgewechselt, dafür fahre ich noch immer das gleiche Auto. Mein Fernseher empfängt sein Programm nicht mehr über Antenne, sondern über Satellit, und meine Internetverbindung ist von ISDN auf ADSL 50.000 hochgeschnellt.

Die einzige wirklich gravierende Veränderung in meinem Leben ist meine Mutter. Aus einer aktiven, eleganten Frau ist ein gebrechliches, hilfloses Etwas geworden, in dem noch irgendwo Reste der einst so vertrauten Person stecken, aber nur selten zum Vorschein kommen. Inzwischen ist sie stationär in einem Altersheim aufgenommen worden. Dort gibt es keine Treppen, und die Betreuung, die ich ihr nicht habe bieten können. Stück für Stück stirbt meine alte Welt... Dieser Gedanke kam mir das erste Mal in den späten Siebzigern, als mein altes Gymnasium sich in eine Baustelle verwandelt hatte. Dann sind Menschen gestorben, erst welche, die ich eher flüchtig gekannt habe, dann traf es die eigene Familie, die Großmutter, den Vater...

Ich wache am Morgen auf und bin noch derselbe Mensch wie gestern. Oder doch nicht? Rausgehen und spielen, mit den Nachbarsjungen raufen, die Eltern um Geld für ein Spielzeug anbetteln... War das nicht noch gestern? Nein, es ist vierzig, ja fünfzig Jahre her. Wenn ich groß bin... Größer werde ich schon lange nicht mehr, nur grauer. Die Anrede "Herr Winkler" ist selbstverständlich geworden, ich sollte mich daran gewöhnt haben, und doch... Bin ich wirklich ein "Herr" geworden? Und "Herr Winkler", das ist doch immer mein Vater gewesen?

Alt werden heißt, die Hoffnung auf die gute Fee aufzugeben, die mit ihrem Zauberstab das Leben auf einen Schlag völlig verändert. Und sei es auch nur die Lottofee... Früher war es so leicht, in die Umlaufbahn zu gelangen, mit der Phantasie diese Welt zu verlassen. Heute ist alles ein Netzwerk aus Ursache und Wirkung geworden, in dem sich kaum etwas tut, das ich nicht persönlich angefaßt habe. Der benutzte Teller wird solange auf dem Küchentisch stehen, bis ich mich seiner annehme und ihn spüle. Selbst die kleinen Wunder, die geschehen, wenn man einen Klumpen rohes Fleisch in einen Topf steckt und nach einer guten Stunde einen schmackhaften Braten herausholt, sind schon viel zu oft geschehen, um noch zu verlocken.

Würzburg hat den Vorteil, daß sich relativ wenig verändert. Das habe ich an Frankfurt am Main gemerkt. Dort habe ich 1986 gearbeitet, und 1998 habe ich dort eine Adresse aufgesucht, in einem Stadtteil, den mein '86 gekaufter Stadtplan noch nicht gekannt hatte. In Würzburg werden höchstens Straßen aufgerissen, und es kann passieren, daß man plötzlich nicht mehr wie gewohnt fahren kann, weil da nun eine Einbahnstraße die andere Richtung vorschreibt. Außerdem gibt es jemanden, der Ampeln anpflanzt. Ich bin elf Jahre lang die gleiche Strecke zur Arbeit gefahren, zuletzt mit doppelt so vielen Ampeln wie am Anfang.

Als ich noch das lokale Käseblättchen gelesen habe, tauchten unter den Todesanzeigen Namen auf, die ich gekannt habe. Meistens waren es ehemalige Lehrer, die ich seit der Schulzeit nie mehr getroffen habe. Das sind die Momente, in denen einen die Vergänglichkeit berührt, in der man feststellt, daß der heutige Tag nicht so ist wie der gestrige, und auch der morgige wieder irgendwo Veränderungen bringt. Ich habe festgestellt, daß mich Todesanzeigen durchaus faszinieren, vor allem jene, die als Aufmacher in den Nachrichtensendungen dienen.

Es bleibt nichts so, wie es ist, alles vergeht und räumt seinen Platz für das Neue, das entsteht, um seinerseits zu vergehen. Der Gedanke für diesen Text kam mir bei einem Spielfilm, der mit einem Jungen begonnen hatte, dessen Eltern ums Leben gekommen sind. Aus dem Sechsjährigen wurde ein blondbärtiger Mann, ein Mann, der schließlich ergraute, mit nunmehr weißem Haar und weißem Bart. Er hat schließlich die Welt verlassen und wurde zum Weihnachtsmann... Wie gesagt, es war ein Spielfilm.

Unsere Alltagserfahrung lehrt uns, daß morgen alles so sein wird wie heute. Sogar das Wetter hält sich gerne an diese Regel, doch da wissen wir alle, daß die Regel durchbrochen wird. Der ewige Sonnenschein weicht dem Regen, womöglich fällt sogar Schnee. Der Winter steht bevor, doch auch der wird vergehen, wird dem Frühling Platz machen. Im Sommer haben wir dann wieder die ewige Sonne...

Die große Leistung des Menschen ist seine Fähigkeit, sich anzupassen. Allerdings ist diese Fähigkeit überlebensnotwendig. Das "Survival of the fittest", das Charles Darwin postuliert, wird zu gerne mit "Überleben des Stärksten" übersetzt, doch genauer ist "Überleben des Geeignetsten", des am besten Angepaßten. Zu den sehr gut Angepaßten haben die Trilobiten gehört, krebsartige Tiere, die vor 550 Millionen Jahren entstanden sind. Und doch, vor 250 Millionen Jahren sind sie verschwunden. Sie haben viel länger durchgehalten als die Dinosaurier. Es wären die idealen Haustiere für mich, nicht füttern, nicht mit Wasser versorgen, nur einmal im Monat die Steinplatte abstauben...

Meine Großmutter ist 1908 geboren und hat immer in ihrer kleinen Welt gelebt, in ihrer Familie geruht. 1908 war Deutschland ein mächtiges Kaiserreich, 1919 kam und ging die Räterepublik, 1923 die Währungsreform, 1933 die Nationalsozialisten, 1945 die Bombennacht, in der Würzburg verwüstet wurde, 1949 die BRD, Mauerbau, Kubakrise... Und 1981 ist sie gestorben. Sie hat es solange geschafft, sich dem Wandel der Zeit anzupassen, ist aus einem mittelfränkischen Dorf nach Würzburg gezogen, hat geheiratet, zwei Kinder geboren und durch den Krieg gebracht, sich danach einen bescheidenen Wohlstand aufgebaut. Für mich war sie etwas Besonderes, doch es ist ein Einzelschicksal unter so vielen, das zeigt, wie anpassungsfähig wir Menschen doch sind - und wie vergänglich.

Kennen Sie das angenehme Sättigungsgefühl nach einer guten Mahlzeit? "Ich bringe keinen Bissen mehr runter!" Doch auch das vergeht, der Appetit kommt zurück, schließlich sogar der Hunger - und hoffentlich die nächste gute Mahlzeit. Es ist trivial, doch die morgige Mahlzeit können wir nur genießen, wenn die heutige Mahlzeit vergangen ist. Wir können die Zeit nicht festhalten, denn wenn wir es könnten, würden wir Stillstand erzeugen, würden uns jeder Chance auf Besserung begeben.

Am Kölner Dom wurde ein Jahrtausend gebaut, und er wird nie fertig sein, nie vollendet, denn sobald ein Teil fertig ist, geht woanders die Arbeit wieder von vorne los. Der Zahn der Zeit, die Vergänglichkeit alles Irdischen, sorgt dafür, daß immer wieder Baustellen nötig werden, oft unauffällig, gelegentlich ist jedoch ein Baugerüst erforderlich, das den äußeren Anblick verschandelt. Solange die Kölner gegen die Vergänglichkeit ankämpfen, wird der Dom bestehen bleiben. Sumerer, Perser, Ägypter, Griechen und Römer - sie alle haben gegen die Vergänglichkeit gekämpft und schließlich verloren. Ruinen verkünden uns diese Niederlagen, und auch der Kölner Dom wird nicht ewig stehen.

Selbst die Sonne, die schon den Trilobiten Licht und Wärme geschenkt hat, wird schließlich vergehen, ja, das ganze Universum wird schließlich enden. Die Kosmologen diskutieren hier über unvorstellbare Zeiträume. Das Universum ist nach derzeitiger Meinung 13,82 Milliarden Jahre alt - und es hat gute Aussichten, noch Milliarden Milliarden Mal älter zu werden. Doch das wird ein anderes Universum sein, kalt und leer, verwelkt, während wir heute seine Blütezeit erleben. Der einzelne Mensch, mit all seinen Sorgen und Hoffnungen, mit all seinen Niederlagen und Triumphen, ist da weniger als ein Wimpernschlag.

Ist es nicht auch beruhigend, daß der häßliche Kasten, den der hochgelobte Stararchitekt ins Stadtbild geklatscht hat, in ein paar Jahrzehnten wieder verschwinden wird? Ihren Dom verteidigen die Kölner, alte Bausünden hingegen werden beseitigt. Und sogar die häßlichste aller Kanzlerinnen wird nicht ewig regieren. Wir können nichts für die Ewigkeit festschreiben oder erhalten, ob wir es nun ersehnen oder verfluchen.

Wir Menschen können uns an vieles anpassen, doch mit fortschreitendem Alter geht diese Fähigkeit langsam verloren. Ich habe das früher bedauert, doch es gehört zu unserer Begrenztheit dazu. Ein Mensch lebt etwa 100 Jahre, das bitte ich als physikalische Größenordnung zu verstehen. Wären es nur zehn Jahre, unser Leben reichte nicht aus, um all das zu lernen, was heute ein menschliches Leben ausmacht. Was wäre, wenn es die nächste Größenordnung erreichte, die 1.000 Jahre? Abgesehen davon, daß die Erde weit stärker übervölkert wäre, würde das unsere Entwicklung bremsen. Die teuflische Kriegswaffe Armbrust hat die Kirche verboten, allerdings nicht verhindern können. Das Schießpulver, schließlich die heutigen Maschinenwaffen, sie wären für die 900jährigen ein Alptraum.

Geistiger Fortschritt entsteht, wenn die Verfechter der alten Ansichten langsam aussterben. Das ist nun einmal eine Beobachtung, menschliches Verhalten, jenseits aller Logik. Wer als Student das ptolemäische Weltbild mit der Erde im Zentrum des Universums verinnerlicht hat, wird dies als Professor lehren, trotz Keplers Berechnungen, trotz Galileis Teleskop. Seine Studenten werden in der Vorlesung brav die Epizyklen der Planeten vortragen, doch insgeheim Kopernikus anhängen. Erst, wenn die Alten wegsterben, wird Platz für das Neue geschaffen. 50 Jahre später werden sie Ptolemäus auslachen, sich wundern, wie so eine Lehre geglaubt werden konnte.

Lebten die Menschen 1.000 Jahre, würden auch deren Ansichten und Lebensweisen viel länger fortbestehen. Wäre Amerika schon entdeckt? Hätten wir heute noch Leibeigene? Würden wir noch auf Pferden reiten, gäbe es womöglich schon Postkutschen? Das Mittelalter konnte eine Blinddarmentzündung nicht behandeln, schmerzende Zähne wurden herausgerissen. 950 Jahre leben ohne einen einzigen Zahn im Mund... Das, was wir Fortschritt nennen, basiert auf der Vergänglichkeit dessen, was zuvor gewesen ist. Auch, wenn nur wenige Menschen gerne sterben, sind wir als Art darauf angewiesen, daß wir vergehen und uns erneuern. Unsere Anpassungsfähigkeit ist begrenzt, wer in eine neue Umgebung hineingeboren wird, kann sich dem neuen Umfeld viel besser anpassen.

Die DDR hat 40 Jahre existiert, Zeit genug, um den "DDR-Bürger" zu schaffen, den "Ossi". Parallel dazu ist der "BRD-Bürger" entstanden, der "Wessi". 27 Jahre nach dem Mauerfall verschwinden die Unterschiede langsam, doch sie sind noch immer festzustellen. Der "gelernte" DDR-Bürger lebt noch, die Zeit hat noch nicht ausgereicht, ihn vergehen zu lassen. Mit der DDR ist die BRD untergegangen, auch wenn der Name beibehalten worden ist. Der DDR-Bürger hat die Veränderungen deutlicher zu spüren bekommen, doch wer sich als BRD-Bürger als Sieger der Weltgeschichte gefühlt hat, der sollte genau hinschauen, denn die BRD hat sehr viel mehr von der DDR übernommen, als uns lieb sein kann.

Ich habe die DDR gesehen, wie sie noch gelebt hat, obwohl... Ost-Berlin war wohl die westlichste Stadt der DDR. Nach meinem Gefühl haben die DDR-Bürger sich auf ihr Privatleben zurückgezogen, dort jene Freiheiten genossen, die der allmächtige Staat ihnen nicht zugestanden hat. Wochentags gute Sozialisten, am Wochenende freie Menschen. Die allgegenwärtige Stasi hat Vorsicht gelehrt, offen seine Meinung hat man nur geäußert, wenn kein Unbekannter dabei gewesen ist. Diese Mentalität hat heute auf das ganze Staatsgebilde Merkeldeutschland übergegriffen. Die Menschen haben aufgehört zu diskutieren, sich mit dem Staat arrangiert. Die Meinungszensur von oben hat das Land überwuchert, die Wahrheitsmedien sind in einem Maße gleichgeschaltet, wie es sich die SED-Parteiführung erträumt hätte. Die Parteien sind kaum noch zu unterscheiden, wie einst die "Blockflöten" in der DDR.

Doch auch das ist nur eine Momentaufnahme, die Geschichte kennt keine ewigen Sieger. Wenn ein menschliches Imperium sich alle erreichbaren Ressourcen erschlossen hat, erreicht es die Grenzen seines Wachstums. Dies bedeutet wiederum, daß die bisherige imperiale Philosophie an ihre Grenzen stößt und das Imperium nicht mehr tragen kann. Damit beginnt der Abstieg des Imperiums, sein Untergang. Stoßen Sie sich bitte nicht am Begriff des Imperiums, das muß kein Staat sein, das kann genausogut eine Firma sein, eine Religion oder eine Partei. Alles, was wächst, erreicht nach einer gewissen Zeit die Grenzen seines Wachstums und wird schließlich wieder vergehen.

Morgen wird alles genauso sein wie heute. Der Satz ist unbedingt richtig, wenn die Zeitdifferenz klein genug ist, und völlig falsch, wenn die Zeitdifferenz groß wird. Im Jahr 146 vor Christus hatte Rom seine äußeren Gegner besiegt. Das Reich ist trotzdem noch gewachsen, trotz innerer Zerrissenheit und Bürgerkriegen. Erst unter Kaiser Augustus hat es inneren Frieden erlangt, im Jahre 117 unter Kaiser Trajan seine größte Ausdehnung. Am 10. August 117 war noch alles so wie am 8. August - nur, daß am 9. August Trajan gestorben war. Und doch hatte an diesem 10. August der Abstieg Roms begonnen.

Alles Bestehende, im Guten wie im Bösen, ist vergänglich. Wir können, wie beim Kölner Dom, um seinen Erhalt kämpfen, das Ende und den Untergang hinauszögern, doch verhindern können wir ihn nicht. Israel, dessen Existenzrecht BRD-Staatsräson ist, wird trotzdem untergehen. Die USA, Welt- und Supermacht, sind dem Untergang geweiht. Merkeldeutschland wird in 50 Jahren nur noch eine dunkle Periode im Geschichtsbuch sein. Wer jedoch hofft, daß sich schlagartig etwas verbessert, den muß ich enttäuschen. Die Weltgeschichte macht keine Sprünge. Der 8. November 1989 war in der DDR nicht anders als der 10. November, obwohl am Tag dazwischen die Mauer gefallen war. Der 2. Oktober 1990 war nicht anders als der 4. Oktober, auch wenn am 3. Oktober die Wiedervereinigung verkündet wurde.

Meine Großmutter, als zehnjähriges Mädchen, hat nichts davon mitbekommen, daß in Berlin der Kaiser vertrieben wurde. Die Monarchisten des 8. Novembers 1918 waren am 10. November nur formell Republikaner, das Kaiserreich wirkte noch Jahrzehnte fort. Wenn am 1. Dezember die Revolution ausbräche, gäbe es für die meisten Deutschen am 2. Dezember kein "Erwachen". Der totale Merkelstaat bliebe lange in den Köpfen, erst die nächste Generation hätte sich wirklich von ihm losgesagt und erst die übernächste Generation sich gänzlich von ihm befreit. Die Vergänglichkeit ist allgegenwärtig, doch die Veränderungen benötigen ihre Zeit.

Wir Menschen sind anpassungsfähig, und wir haben uns in der Mehrheit an den Merkelstaat angepaßt. Nur wenige Menschen besitzen den Weitblick, um über den Tellerrand hinauszublicken. Wir tragen unseren eigenen Horizont in uns, den wir nicht erweitern können, auch wenn wir die ganze Welt bereisen. Nur wenige Menschen wagen es, Neues zu denken, wagen die Veränderung. Eine Veränderung bedeutet jedoch zugleich eine Erneuerung, ein Vergehen und Ersetzen des Alten. Wir Menschen - und da schließe ich mich ausdrücklich mit ein - neigen dazu, träge am Bestehenden festzuhalten. Wir haben uns angepaßt, sich umzugewöhnen bedeutet Anstrengung. Doch der liebe Gott hat uns die Vergänglichkeit beschert, nichts wird so bleiben, wie es ist. Wir haben nur die Möglichkeit, mit der Zeit voranzuschreiten, oder zu gehen, wenn unsere Zeit gekommen ist.

Die Vergänglichkeit ist eine Last, aber auch ein Geschenk. Ich würde gerne noch mit den Nachbarskindern spielen, gewiß, doch ich bin nicht mehr jenes Kind, das damals so unbeschwert mitgespielt hat. Jene Zeit ist für immer vorbei, und der Herr Winkler, das ist nicht mehr mein Vater, das bin jetzt ich. Für eine gewisse Zeit, dann ist auch das vergangen. Mögen es noch Tage sein oder Jahrzehnte, ich werde die Grenze meiner Anpassungsfähigkeit erreichen. Ob ein Organ versagt, mich ein Unfall ereilt oder mir der Himmel auf den Kopf fällt - es wird schließlich geschehen. Ihnen ebenso wie mir.

Alles geht zu Ende, ist vergänglich. Im Vergehen entsteht das Neue, die Lücke, die das Alte hinterläßt, wird von diesem Neuen ausgefüllt. Wir mögen dem Alten eine Weile nachtrauern, doch diese Trauer darf uns nicht davon abhalten, das Neue zu schaffen, die Lücke wieder zu füllen. Wir leben in einer Welt, in der die Trilobiten nur noch als Fossilien zu finden sind. Trotzdem sind die Meere noch immer voller Leben. Das wird selbst dann noch so sein, wenn wir Menschen es sind, die nicht mehr existieren.

© Michael Winkler

Dieser Text ist der 600. Pranger. Seine Kollegen stehen im geschützten Archiv nur einige sind frei zugänglich. Was Ihnen entgeht, sehen Sie in dieser Liste. Falls Sie das überzeugt - hier lesen Sie, was Sie ein Paßwort kostet. Aber vielleicht kann ich Sie ja auch für meine Bücher begeistern:

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