Aktien (13.6.2007)

Sie wissen sicher, was eine Aktie ist. Zumindest haben Sie schon einmal gehört, daß gewisse Leute mit Aktien sehr reich geworden sind. Und daß reiche Leute Aktien besitzen, natürlich. Wenn Sie jetzt erwarten, daß ich Ihnen Börsentips gebe und die ultimative Reichmach-Strategie erkläre, muß ich Sie leider enttäuschen. Ich möchte hier nur ein wenig über Aktien plaudern und Ihnen ein paar Dinge beschreiben, die der nette Berater Ihrer Hausbank regelmäßig nicht erwähnt.

Stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie hätten eine Aktiengesellschaft. Kümmern Sie sich nicht um die Gründungsformalitäten, die sind erledigt. Notar usw. sind alles schon bezahlt, das Firmenlogo ist gezeichnet und Sie können loslegen. Früher hätten Sie noch Aktien gedruckt, so eine Million Stück, im Nennwert von 50 Mark oder auch nur 5 Mark. Heute haben Aktien zumeist keinen Nennwert mehr und anstatt sie als kleines Kunstwerk gerahmt an der Wand zu hängen, fristen sie ihr Dasein als Datensatz, den eine Bank verwaltet.

Angenommen, nach acht Bier und einer Flasche Doppelkorn haben Sie mich soweit, daß ich Ihnen eine Aktie abkaufe. Eine - als fast mittelloser Schriftsteller kann ich mir nun mal nicht mehr leisten. Ich bezahle volle fünf Euro dafür (weil ich keinen Doppelkorn vertrage).

Was ist jetzt geschehen? Zum einen darf ich auf der nächsten Hauptversammlung gegen den Vorstand stänkern (also Sie) und den Aufsichtsrat wählen (Ihre Schwiegermutter). Zum anderen - und das ist viel wichtiger - hat Ihre Firma jetzt einen Börsenwert. Real haben Sie in jetzt fünf Euro in der Kasse und 999.999 noch nicht bewertete Aktien. Aber der Börsenwert Ihrer Firma berechnet sich nach aktuellem Kurs mal Anzahl der Aktien, also satte fünf Millionen Euro.

Wenn jetzt Ihr Nachbar sich ihren Rasenmäher ausleihen will, bekommt der den nur, wenn er Ihnen ebenfalls eine Aktie abkauft. Da Ihr Nachbar ein Bittsteller ist, als Beamter ein regelmäßiges Gehalt einsteckt und ich Ihnen sympathischer bin, muß der sieben Euro bezahlen. Abgesehen von der Hauptversammlung, bei der ab sofort natürlich zwei Leute herummäkeln dürfen, ist Ihre Firma jetzt zwölf Euro + X wert, aber an der Börse schon sieben Millionen. Und ich halte mich für den neuen Warren Buffet, habe ich doch binnen weniger Tage 20% Gewinn eingefahren.

Jenseits aller Börsen-Manipulationen hat Ihre AG noch einen "inneren" Wert. Bei einer eingeführten Firma gehören dazu die Betriebsstätten (Immobilien), die Maschinen, die Büroeinrichtungen und die Patente. Manche Firmen haben auch noch "stille Reserven" und eine Menge Betriebskapital auf der Bank. Und Ihre Firma? Nun, die besitzt ein Gründungskapital 50.000 Euro (mindestens), das Sie in Form eines Patents für solare Staubsaugerturbinen eingebracht haben ("Sachwertgründungen" sind zwar schwieriger als Gründungen mit "Bargeld", aber das haben Sie ja längst hinter sich.) Das heißt, jede Ihrer einer Million Aktien hat einen inneren Wert von 5 Cent.

Ihr Patent wurde für eine revolutionäre Solarturbine erteilt, mit der Sie beste Aussichten haben, den Weltstaubsaugermarkt zu erobern. Ihre Erfindung erhält den "blauen Engel" und der Umweltminister kommt vorbei, um sich mit Ihnen ablichten zu lassen - für seinen Wahl- und Ihren Börsenprospekt.

Da ein Patent allein noch lange keine Staubsauger produziert, wollen Sie die Hälfte Ihrer Aktien für mindestens fünf Euro verscherbeln, um damit wirklich loszulegen. Mit etwas Glück (und einer weiteren Flasche Doppelkorn) bringen Sie einen Börsenbriefschreiber dazu, Ihre AG als "solider Kauf" zu empfehlen. Binnen weniger Wochen haben Sie 100.000 Aktien verkauft, zuletzt zu 18 Euro das Stück. Damit ist Ihre Firma an der Börse 18 Millionen wert und ich ärgere mich, "damals" nicht mit 25 Euro eingestiegen zu sein.

In Ihrer Kasse stapelt sich jetzt die erste Million, von der Sie Ihrer Schwiegermutter die erste Aufsichtsratsvergütung bezahlen und natürlich sich selbst ein anständiges Vorstandsgehalt. Mit den restlichen 600.000 Euro (und einem Bankkredit über zwei Millionen, bei dessen Vergabe die Photos von Ihnen mit dem Herrn Umweltminister sehr geholfen haben) organisieren Sie dann eine erste Staubsauger-Produktion. Wenn Sie geschickt sind, erhalten Sie dazu noch die eine oder andere Subvention, schließlich schaffen Sie Arbeitsplätze.

Nach einigen Monaten steht Ihr Börsenkurs bei 22,50 Euro, Sie haben 300.000 Aktien verkauft, aber noch keinen einzigen der 6.000 Staubsauger, die sich in Ihrer angemieteten Lagerhalle stapeln. Natürlich nicht, denn wer gibt schon 1.800 Euro für einen Staubsauger aus, nur weil der eine Solarturbine enthält?

Die vier Millionen aus dem Aktienverkauf der letzten Monate sind via Sark, Guernsey, Cayman-Islands auf den Bermudas angelangt und warten darauf, daß Sie auf der Durchreise nach Paraguay vorbeischauen und sie abholen. Am Bankschalter weisen Sie sich als Volker Müller aus, mit Ihrem deutschen Paß. Ihr Flugzeug besteigen Sie mit dem Zweitpaß als Alfonso Geneva, der nie etwas von einer deutschen Staubsaugerfirma gehört hat und dem der Name Volker Müller absolut nichts sagt.

Sobald die Bank merkt, daß mit der Firma des unauffindbaren Volker Müller nicht mehr alles stimmt, sperrt sie die Konten. Damit ist die Firma insolvent. Der Aktienkurs geht in den Keller. Wenige Jahre später hat das Gericht das Insolvenz-Verfahren abgeschlossen. In einer Zwangsversteigerung werden die hochwertigen, aber etwas angestaubten Staubsauger verramscht, die 600.000 Euro Reinerlös kassiert die Bank zusammen mit dem Patent für ihren Kredit.

Weil sich keine deutsche Firma für die Patentrechte interessiert, gehen diese für 10.000 Euro nach China. Ein Jahr später liefert die Volksrepublik bereits 250.000 Staubsauger mit Solarturbinen allein nach Deutschland, zum Verkaufspreis von 249,- Euro und die deutschen Staubsaugerhersteller bemühen sich um Lizenzen für ihre polnischen Fertigungsstätten. Die Chinesen sind großzügig und verlangen nur 150.000 Euro pro Jahr für diese Lizenz.

Und die Aktionäre? Nun, der Bank gehören jetzt 700.000 Aktien, die ihr im Rahmen der Insolvenz zugefallen sind. Da die Konkursmasse noch nicht einmal ausgereicht hat, um den Bankkredit zu begleichen, sind diese jetzt wertlos. Ich tröste mich über meine verlorenen fünf Euro mit einer Flasche Whisky hinweg (vom Doppelkorn bin ich kuriert), die ich mir deshalb leisten kann, weil ich damals eben nicht mit 25 Euro eingestiegen bin. Der Beamte aus der Nachbarschaft verklagt inzwischen die Bank, die Börsenaufsicht, die Schwiegermutter und natürlich den unauffindbaren Volker Müller, wobei er dezent verschweigt, daß er den ausgeliehenen Rasenmäher nicht mehr zurückgegeben hat. Der empfehlende Börsenjournalist weist darauf hin, daß er rechtzeitig vor dem Konkurs in seinem gebührenpflichtigen privaten "Börsenletter" die AG zum sofortigen Verkauf empfohlen hätte. Und der Umweltminister kann sich absolut nicht erklären, wer ihn mit diesem betrügerischen Volker Müller zusammen abgelichtet haben könnte.

Gut, das war jetzt ein Börsen-Kurzkrimi mit gutem Ausgang, zumindest für Senor Alfonso Geneva. Der Vorteil dieser Geschichte ist, daß sie nur fünf Jahre benötigt (18 Monate für die Gründung, 6 Monate Aktienverkauf und 36 Monate gerichtliches Insolvenzverfahren), keine Illuminaten, Bilderberger & Co mitspielen, keine internationalen Fusionen stattfinden und die Heuschrecken draußen geblieben sind. Sie zeigt trotzdem einige wichtige Eigenschaften der Aktie.

1. Die Aktie ist ein Spekulationspapier, deren Wert sich nach dem letzten Käufer richtet. Die paar hundert Aktien, die an einem Tag gehandelt werden, bestimmen den aktuellen Börsenwert von BASF, VW oder der Deutschen Bank. Gibt es mehr "Dumme" als Aktien, steigen die Kurse. (Der Dumme = Aktieninteressent im Börsen-Jargon) Gibt es weniger Dumme als Aktien, fallen diese. Die Aktie ist immer nur das wert, was ein Anderer bereit ist, dafür zu bezahlen.

2. Mit der Aktie sind Sie zwar Miteigentümer eines Unternehmens, aber Sie haben dort ebensowenig zu sagen, wie in der Bundespolitik, die Sie ja auch als Wähler angeblich mitbestimmen. Sie können zwar auf der Hauptversammlung dem Vorstand die Leviten lesen, aber bestimmen wird die Mehrheit, also die Banken, welche das Stimmrecht ihrer Depotkunden bündeln, Aktienfonds und die allseits beliebten und als Heuschrecken bezeichneten Großinvestoren. Vor vielen Jahren hat ein Unbekannter dem Unternehmen Geld gegeben und dafür eine Aktie bekommen. Bevor diese in Ihr Depot gelangt, wurde sie dutzendfach an der Börse gehandelt. Sie haben also eine Quittung für eine uralte Finanzeinlage gekauft und nicht etwa selbst dem Unternehmen Geld gegeben. Entsprechend werden Sie behandelt.

3. Die Aktie beteiligt Sie am Unternehmensgewinn. Dieser wird Ihnen als Dividende ausbezahlt, zumindest wird das so erklärt. Tatsächlich wird als erstes das Management ausbezahlt, das seine "Erfolgsprämien" kassiert. Daran haben Sie nichts mitzureden, das entscheiden Vorstand und Aufsichtsrat hinter verschlossenen Türen. Dann werden Teile des Gewinns "investiert". Wenn also Vorstand und Aufsichtsrat beschließen, das Geld - IHR Geld - für eine marode US-Firma aus dem Fenster zu werfen, dürfen Sie sich gerne auf der Hauptversammlung beschweren, nur wird das nichts nutzen. Ein weiterer Teil wird in der Bilanz versteckt, vor dem Finanzamt und vor Ihnen. Denn je mehr Geld im Unternehmen verbleibt, desto mächtiger sind die Herren dieses Geldes, die Manager. Nur das, was sich absolut nicht mehr anderswo unterbringen oder verheimlichen läßt, wird als Dividende ausgeschüttet.

3a. Es gibt jedoch auch eine gegenteilige Strategie, die für das Unternehmen ähnlich schädlich ist: Da werden aus "politischen" Gründen hohe Dividenden ausgezahlt, ohne daß das Unternehmen sich diese leisten kann. Eine beliebte Taktik der Heuschrecken besteht darin, "stille Reserven" zu mobilisieren, also das Tafelsilber zu verscherbeln, um es mittels Dividenden in die eigenen Taschen zu schieben.

4. Eine Aktie ist kein Sachwert! Auch der oft kolportierte "innere Wert" ist nicht wirklich greifbar. Meine Beispiel-AG hatte 6.000 Staubsauger im nominalen Wert von 50% des Verkaufspreises, also 900 Euro pro Stück und damit 5,4 Millionen Euro. Das Patent ist, wie die Lizenzgebühren beweisen, weitere Millionen wert. Abzüglich des Bankkredits wäre die Firma mindestens fünf Millionen wert gewesen... Doch diese ließen sich nicht realisieren. Der Restwert wurde im Rahmen der Liquidation völlig aufgezehrt, die Aktionäre gingen leer aus. Und selbst, wenn noch etwas dagewesen wäre: Die Bank besitzt 700.000 Aktien und damit die Mehrheit. Alle Entscheidungen werden damit im Sinne der Bank getroffen.

5. Das Wichtigste bei der Aktie ist der Kursgewinn. Stimmt. Aber der Kursgewinn steht erst einmal auf dem Papier. "Meine" Aktie im Beispiel ist von 5,00 Euro auf 22,50 Euro gestiegen - 450% in nur sechs Monaten. Hätten die Eigentümer der ersten 100.000 Aktien diese jedoch in der Nähe des Höchststands verkauft, wäre der Kurs massiv eingebrochen. Die Aktie ist ein Kettenbrief, sie "verdient" nur dann Geld, wenn der bisherige Eigentümer einen noch Dümmeren findet, der sie ihm zum höheren Preis abkauft. Das geht lange gut - falls nicht gerade eine Niete in Nadelstreifen ans Ruder kommt. Fehlentscheidungen der führenden Nullen lassen den Kurs verfallen.

Den wahren Wert einer Aktie kennen nur die Finanzvorstände des Unternehmens - und natürlich die Hausbank, die alle Kontobewegungen überwacht. Die sonstigen Mitarbeiter wissen zwar immer noch mehr als fast jeder Aktionär, aber eben nicht alles. Sie werden bei Bedarf ebenfalls getäuscht und über den Tisch gezogen.

Aktie als Geldanlage?

Ja - aber... 2003 konnten Sie in den DAX für knapp über 2.000 Punkte einsteigen, vor einigen Tagen hat der Index kurzzeitig die 8.000er Marke überschritten. Sie hätten Ihr Geld vervierfachen können. Aber nicht mit der Telekom oder Daimler-Chrysler, denn schlecht geführte Unternehmen produzieren schlechte Aktienkurse. 2003 hat Ihnen der nette Mann (oder die nette Frau, denn es gibt immer mehr Anlageberaterinnen) gesagt, daß niemand wisse, wie weit die Aktien noch sinken werden. Deshalb sollten Sie besser einen Sparbrief erwerben. Heute, bei Kursen von über 7.500, erklärt Ihnen dieselbe Person, daß Sie Ihren Sparbrief besser verkaufen und die "sich nach diesem Einbruch bietenden Kaufkurse" unbedingt nutzen sollten, weil niemand wisse, wie weit die Aktien noch steigen werden.

Gebrauchtaktien werden genauso angepriesen wie Gebrauchtwagen. Der unglaublich seriös wirkende Bankangestellte wirbelt Ihnen Grafiken vor, erklärt Kurs-Gewinn-Verhältnisse und schwärmt von Kurschancen. Und er hat recht! Ja, wirklich. Die Gewinne sind heute viel höher als im Jahr 2000, auch bezogen auf die Aktienkurse. Aber was heißt das? Die Firmen haben sich "verschlankt", also Arbeiter entlassen und deren Erfahrung gleich mit. Die Firmen haben von der "Weltkonjunktur" profitiert, der Verschuldungswelle durch die Immobilienblase in den USA. Und die Firmen leben vom Dollar, der sterbenden Weltleitwährung. Der Banker möchte Ihnen die Vergangenheit verkaufen, die Zukunft ist völlig ungewiß.

Ja, die Aktie schlägt als Geldanlage langfristig alle anderen Anlageformen, zumindest in den letzten hundert Jahren. Nur leider gibt es "die" Aktie nicht. Im Jahr 1900 auf Coca Cola zu setzen, war goldrichtig, die damals angepriesenen Eisenbahnaktien hingegen nicht. Digital Equipment (DEC, die Hersteller des einstigen "Supercomputers" VAX) war mal eine tolle Aktie - heute gibt es sie nicht mehr. Dafür hat sich die kleine Studenten-Klitsche Microsoft als Diamantenmine erwiesen.

100 Aktien, über 50 Jahre gehalten, alle Dividenden wieder investiert, haben unterm Strich mehr abgeworfen als der gleiche Betrag in Pfandbriefen. Aber haben Sie das Geld für 100 verschiedene Aktien? Von denen 20 den Bach runtergehen, 60 langweilig bleiben und die restlichen 20 die goldenen Eier legen?

Als Hellseher beschränken Sie sich natürlich auf jene 20 Aktien. Ihr Bankberater versucht ebenfalls aus der Kristallkugel zu lesen... Oder er empfiehlt Ihnen einfach, was seine Bank gerade verkaufen möchte. Denn daran müssen Sie immer denken: Sie kaufen gebrauchte Aktien, die jemand aus irgendwelchen Gründen loswerden möchte. Der Verkäufer glaubt, daß er diese Aktien nicht teurer verkaufen kann. Sie hingegen sollen genau das glauben.

Natürlich gibt es die Fonds, in denen Tausende Anleger ihr Geld einzahlen. Von diesem Geld nehmen die Fondsmanager, was sie als Gehalt für sich gerechtfertigt halten (was ganz sicher mehr ist, als Sie denen bezahlen würden) und für den Rest kaufen sie Aktien. Das sind natürlich ausgewiesene Fachleute - die es trotzdem regelmäßig schaffen, schlechter abzuschneiden als der Index. Kaum ein deutscher Aktienfonds entwickelt sich besser als der DAX, kaum ein US-Aktienfonds schlägt den Dow Jones oder den Standard & Poors, kaum ein weltweit investierender Fonds den MSCI-World-Index.

Sie können natürlich den Index nachbilden, sich also von jeder Aktie eine kaufen. Das gefällt Ihrer Bank außerordentlich, denn dann kann sie 30mal Provision abgreifen, und zwar eine ziemlich hohe, bei Ihrem Kleinauftrag. Es gibt jedoch auch Fonds, die das für Sie übernehmen. Die Manager solcher Fonds brauchen bloß ganz stur alles Geld, das hereinkommt, in den Aktien des Index' anzulegen. Dafür bekommen sie als institutionelle Anleger einen Sonderpreis. Und weil sie dafür keine "Fachleute" sein müssen, können sie auch kein allzu hohes Gehalt abgreifen. Und Ihre Bank erhält eine viel geringere Provision dafür, also wird sie Ihnen lieber die anderen, für die Bank einträglicheren Fonds verkaufen. Aber auf Anfrage bekommen Sie diese Indexfonds.

Entgegen aller Anpreisungen sollten Sie derzeit Aktien meiden. Im Augenblick suchen die Aktienbesitzer jene Dummen, die ihnen diese Papiere abkaufen. Sie können diese Aktien ruhig halten, wenn die Kurse weit genug gefallen sind und Sie genug Geld verloren haben nehmen Ihnen jene Herrschaften diese Papiere gerne wieder ab, um die jetzt zu erwartenden Gewinne einzustreichen.

Jetzt, heute, gibt es Kaufkurse in einer anderen Anlage, die Ihnen Ihre Bank nicht empfehlen wird: Gold und Silber. 2003 hat Ihnen die Bank auch keine Aktien empfohlen, nicht wahr? Es ist immer besser, das zu kaufen, was die Anderen gerade nicht haben wollen, denn das ist preiswert zu haben. "Die Reichen" drehen Ihnen derzeit Aktien an und kaufen von Ihrem Geld Metall. Aber das sagt Ihnen "Ihre" Bank natürlich nicht.

Nachdem die Aktien wieder deutlich billiger geworden sind, können Sie gerne einsteigen - wie die Reichen auch, die dann ihre Gewinne aus der Anlage in Gold wieder investieren.

Ganz oder gar nicht?

Aktien sind trotz allem Zockerpapiere. Sie lassen sich auf ein Glücksspiel ein, mit relativ hohen Einsätzen. Sollten Sie gewinnen, kommt das Finanzamt und hält die Hand auf. Früher mußten Sie ein halbes Jahr halten, um der Steuer zu entgehen, aktuell ist es ein ganzes Jahr und demnächst schlägt die Steuer immer zu. Auf diese Weise hilft die Politik bei der privaten Altersvorsorge. Also bei der Altersvorsorge der Politiker, denn die wird aus Steuergeldern bezahlt.

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, mit beschränktem Einsatz mitzuspielen. Das ist jedoch keine Geldanlage, sondern ein echtes Glücksspiel.

Mit einem Kauf- (Call) oder Verkaufs- (Put) Optionsschein wetten Sie mit einer Bank auf steigende bzw. fallende Kurse. Schwanken die Kurse kaum oder bewegen sie sich in die andere Richtung, ist das Geld weg. Laufen sie in die richtige Richtung, klingelt es in Ihrer Kasse.

Angenommen, ich habe alle Aktien des DAX. Nun schließe ich mit Ihnen (gegen einen Fuffi) einen Versicherungsvertrag, daß Sie bereit sind, mir diese Aktien für 7.500 Euro abzukaufen. Das heißt, ich habe die Option, Ihnen meine Aktien für 7.500 Euro zu verkaufen. (Das nennt sich Put, da ich Ihnen damit meine Aktien aufs Auge drücken kann.) Steigt der DAX auf 7.800, werde ich natürlich nicht bei Ihnen aufkreuzen, da ich an der Börse mehr Geld bekomme. Sie können mein Geld als Einnahme verbuchen und das war es. Fällt der DAX hingegen auf 7.000 Punkte, dürfen Sie mit meinem Besuch rechnen. Aber keine Sorge, ich bin bereit, 500 Euro aus dem Sparschwein Ihrer Tochter entgegenzunehmen und die Aktien anderweitig zu verscherbeln (das nennt sich nebenbei "Barabfindung")

Es geht auch anders. Da ich gerade nicht flüssig bin, zahle ich Ihnen den bewährten Fuffi dafür, daß Sie mir den DAX für 7.500 verkaufen. Ich habe also eine Kaufoption (also einen Call, da ich die Papiere bei Ihnen abrufen kann). Komme ich dank einer Erbschaft zu ein wenig Geld, schaue ich nach, wo der DAX derzeit steht. Bei 7.200 gehe ich lieber an die Börse, da ist es billiger. Bei 7.800 komme ich wieder bei Ihnen vorbei.

Optionsscheine, die Sie bei Ihrer Bank kaufen können, sind also "Wetten" - aber leider nur steuerfrei, wenn sie mindestens ein Jahr laufen. Sie können bei Aktien viel Geld verlieren, aber nur ganz selten alles. Bei Optionsscheinen verlieren Sie im Zweifelsfall den gesamten Betrag. Daran müssen Sie immer denken. Anders als bei Termingeschäften ist Ihr Verlust jedoch auf den Einsatz begrenzt. Sie haben eine OPTION, keine Verpflichtung, wie bei einem Terminkontrakt. Sie können diese Option verfallen lassen, während Sie den Terminkontrakt erfüllen müssen.

Um den Unterschied zu erläutern: Schließe ich einen Terminkontrakt, Ihnen am 30. Juni den DAX zu 7.500 zu liefern, muß ich das tun - und Sie müssen bezahlen. Ich muß liefern, auch wenn mich der DAX dann 10.000 Euro kostet.

Optionsscheine auf den DAX (oder auf einen anderen Index) haben einen Bezugswert, ein Verfalldatum und Bezugsverhältnis. Letzteres ist zumeist 100:1. Das bedeutet, jeder Schein ist am Enddatum einen Cent für jeden Punkt wert, den der DAX in die richtige Richtung gewandert ist. Ein DAX-Put, mit Bezugskurs 7.500, wird 3,00 Euro wert, wenn der DAX dann bei 7.200 steht. Und er ist wertlos, wenn der DAX auf 7.500 oder höher steht.

Sie müssen aber solche Scheine nicht bis zur Fälligkeit halten. Diese steigen und fallen im Kurs mit der DAX-Entwicklung. Es sind Hoffnungswerte... Schauen Sie sich diese einmal an und informieren Sie sich darüber.

Ehe Sie mich jetzt als Börsen-Guru nach Empfehlungen fragen: Ich bin kein Bankberater. Ich werde Ihnen keine Papiere empfehlen. Ich kann auch nur in die Glaskugel schauen, wie sich der DAX oder sonst etwas entwickelt. Schauen Sie im Internet, fragen Sie Ihre Bank oder suchen Sie sich einen Broker.

Ich empfehle Ihnen eindeutig SILBER. Alles andere ist bei heutigen Aktienkursen Glücksspiel. Zwar wird der DAX "demnächst" abstürzen, aber "demnächst" kann durchaus noch drei Jahre dauern.

© Michael Winkler