Schwarmorganisation (4.4.2012)

Bestimme ich die Stärken meines Feindes,
während meine Gestalt nicht wahrnehmbar erscheint,
so kann ich meine Stärke konzentrieren,
während der Feind unvollständig ist.
Der Höhepunkt militärischer Entfaltung findet sich im Formlosen.
Weiset keine Form auf,
und sogar der sinnestiefste Spion suchet Euch vergebens,
und der Weise kann keine Pläne gegen Euch schmieden.

Sun Tzu, "Die Kunst des Krieges"

Wer vor 90 Jahren ein paar demokratische Korrekturen am Staatsgefüge vornehmen wollte, wie damals die Herren Ernst Thälmann oder Adolf Hitler, der benötigte eine Organisation. Viele Leute, ob nun unter dem Namen Partei oder Bewegung, mußten sich zusammentun. Nur so konnte man eine eigene Zeitung herausgeben - das damals übliche Propagandamedium. Man benötigte Leute, um Plakate zu kleben und auf den Straßen zu demonstrieren. Und für den Fall, daß die Demokratie ein wenig direkter ausgeübt werden sollte, benötigte man ein paar Schlägertrupps und ein paar Waffenlager.

Solche Organisationen besaßen Parteifahnen und heroische Kampflieder, es gab eindrucksvolle Posten, wie Vorsitzender, Mitglied des Politbüros, Generalsekretär oder Ortsgruppenleiter. Ab einer gewissen Größe nährte die Partei ihren Mann, zumindest den an der Spitze. Der große Vorsitzende verfügte über Sekretärinnen und Dienstwagen, aus Auftritten im Hinterzimmer wurden Kundgebungen vor Zehntausenden.

So eine Organisation ist ein wunderbarer Dinosaurier. Sie hat ein bißchen Hirn, weil außer dem großen Vorsitzenden niemand zu denken, sondern nur zu gehorchen hat. Ehrliche Beitragszahler bilden das stützende Skelett, Kämpfer und Plakatekleber, die "Aktivisten", stellen die Muskeln und die immer zahlreicher werdenden Funktionäre einen wunderbaren Verdauungstrakt. Begonnen haben solche Parteien oft als kleine, hochmobile, flinke Raubtiere, im Endstadium sind daraus große, plumpe, schwerfällige und zahnlose Pflanzenfresser geworden, so wie die CDU, die kaum noch ihr eigenes Gewicht fortschleppen kann.

Natürlich kann man auch heute noch Dino-Eier ausbrüten, Parteien und Bewegungen gründen. Es macht richtig Spaß, das Spiel der Demokraten zu spielen, nach den Regeln der Demokraten, unter Aufsicht der Demokraten. Laufen Sie als katzengroßer Dinosaurier in einer Herde 60-Tonner mit, suchen Sie am Boden zwischen den Exkrementen Ihr Futter und passen Sie auf, daß Sie nicht aus Versehen totgetreten werden. Oder setzen Sie sich mit einer 1.000-Euro-Börse an einen Pokertisch ohne Limit, an dem die anderen Mitspieler allesamt Millionenzocker sind. Ihr Royal Flush nutzt Ihnen nichts, wenn der Mitspieler ganz gelassen sagt: Ihre Tausend und noch mal Tausend!

In den deutschen Jagdvorschriften werden Sie vergeblich nach einem waidgerechten Kaliber und entsprechender Munition für die Jagd auf 60-Tonnen-Saurier suchen, doch 20mm Treibspiegel sollten ausreichen. Notfalls werden eben abwechselnd Treibspiegel- und Sprengmunition gegurtet. Jedenfalls reicht ein genügend großer Hammer, um so ein Tierchen plattzuschlagen. Und solange der Dinosaurier noch ganz klein ist, genügt sogar derjenige aus Ihrem Werkzeugkasten.

Ich weiß zwar nicht mehr, wann es war und wie der Mann geheißen hatte, doch an eine Aussage des Jugendoffiziers der Bundeswehr kann ich mich gut erinnern: Ein modernes Schnellboot habe die Kampfkraft des alten Schlachtschiffes Bismarck. Nun, die Bismarck hatte ich damals - so um 1972 - als Modellbausatz zusammengesetzt und Schnellboote waren mir von Quartett-Karten bekannt. Acht Kanonen Kaliber 38cm erschienen mir damals deutlich bessere Argumente als ein paar Torpedos und eine 40mm-Maschinenkanone, heute würde ich diese Aussage jedoch unterschreiben. Mit seinen Seeziel-Raketen würde so eine Nußschale tatsächlich die Hood versenken, den Stolz der damaligen britischen Marine.

Thälmann und Hitler haben die großen Kaliber gebraucht, die Riesenschlachtschiffe, um wehrhaft in die Schlacht zu ziehen. Heute baut keine Nation der Welt mehr solche Giganten, weil diese nur riesige, leicht zu treffende Ziele darstellen. Betrachten Sie die NPD als aktuelles Beispiel. In dieser Partei gibt es viele idealistische Menschen mit den allerbesten Absichten, jedoch auch V-Leute der Obrigkeit und "Muskeln" mit locker sitzenden Fäusten. Wobei es diese "Muskeln" genauso in und im Umfeld anderer Parteien gibt, nicht nur linke Autonome, auch gestandene CSU-Mitglieder packen schon mal zu, wenn sie es für nötig halten.

Jedenfalls finden wir bei der NPD zumindest den Anschein der Fremdsteuerung und das ständige Damoklesschwert des Parteiverbots. Die NPD ist den Etablierten auf den Leim gegangen und hat den Unterschied zwischen dem hehren Ideal der Demokratie und der abgründigen Niedertracht der Demokraten nicht beachtet. Eine Partei kann verboten, ihr Inventar und ihr Vermögen konfisziert, ihre Mitgliedslisten beschlagnahmt werden. Was eine feste Form hat, kann ausgeforscht, unterwandert und zerschlagen werden.

Genau das hat der alte Chinese gesagt, in jenem weisen Spruch, den ich an den Anfang dieses Textes gestellt habe. Die Erkenntnisse sind über 2.000 Jahre alt, Thälmanns KPD und Hitlers NSDAP konnten sie noch nicht nutzen. Sie brauchten es auch nicht, denn zu ihrer Zeit waren die Demokraten neu im Geschäft und gutwillig. Die heutigen Demokraten hingegen haben den Staat unter sich aufgeteilt und verhalten sich, wenn es um ihre Existenz und ihre Dienstwagen geht, ausgesprochen bösartig.

Der Demokraten-Staat ist ein Riese mit einem Vorschlaghammer, der nach langer Anlaufzeit brutal zuschlagen kann. Flexible, agile, selbständig denkende Menschen passen nicht in ein staatliches Gefüge aus Befehl und Gehorsam, in dem alles per Dienstvorschrift und Handlungsanweisung nach Parteitagsbeschluß geregelt wird. Denken darf in einer Demokraten-Partei nur das Politbüro, selbst wenn es Präsidium oder Vorstand heißen mag. Das einfache Parteimitglied, der Parteien-Untertan, hat den Dienstweg zu beachten, und nur, was von ganz oben abgesegnet worden ist, öffentlich zu vertreten. Für den Bürokraten-Untertan, den Beamten, gilt das gleiche.

Der Insektenschwarm

Mit 30kg gehört ein Hund schon zu den größeren Exemplaren. Wenn Sie dieses Tierchen bekämpfen wollen, tun Sie gut daran, sich einen ausreichend großen Knüppel zuzulegen. Danach ist es wie beim Bierzapfen: Womöglich brauchen Sie mehr als einen Schlag, aber irgendwann ist der Zapfhahn im Faß und der Hund erlegt. Ein Insekt mit drei Gramm gehört ebenfalls zu den großen Exemplaren, das dürfte schon eine Hornisse sein. Wenn Sie nun statt einem einzelnen Hund 10.000 Hornissen gegenübertreten, nützt Ihnen Ihr Knüppel wenig. Natürlich überlebt keine Hornisse einen Knüppelhieb, den Schwarm beeindruckt das überhaupt nicht. Mögen es nun zehn oder hundert zerschlagene Hornissen sein, Tausende Stacheln stechen munter weiter.

Sun Tzu hat vom Formlosen gesprochen, genau das ist der Unterschied zwischen dem Hund und den Hornissen. Der Knüppel trifft nur die Form, den Hund, bei dem Schwarm geht der wuchtige Schlag ins Leere. Thälmann und Hitler haben es nicht anders gekannt, zu deren Zeiten war die Formlosigkeit nicht möglich, heute ist sie es.

Das Militär kennt die Befehls- und die Auftragstaktik. Ein Schlachtschiff läßt sich nur mittels Befehlen führen, vom Rudergänger über Maschinist und Geschützmannschaft bis hin zum Feuerleitoffizier muß alles als Einheit funktionieren, mehr als 2.000 Mann müssen eine Einheit bilden. 20 Mann auf einem Schnellboot sind da schon flexibler, ein Schwarm von 100 Schnellbooten mit der gleichen Anzahl Seeleuten kann weitgehend unabhängig seine Auftragsziele erreichen. Bei der Auftragstaktik wird nur das Ziel vorgegeben, nicht der General im Hauptquartier, 100 km entfernt, sondern der Feldwebel, der Unteroffizier vor Ort entscheidet, wie der Auftrag erfüllt wird.

Die Mittel des Kampfes sind heute ganz anderer Art als vor 90 Jahren. Thälmann befahl einen Generalstreik, Hitler eine Kundgebung, beides ist heute unnötig. Wir leben heute in einer Welt, die verdächtig den Beschreibungen in den ach so gefälschten Protokollen der Weisen von Zion gleicht. Dabei ist es unerheblich, ob die großen Meinungsmanipulatoren Rothschild und Rockefeller oder Bertelsmann und Springer heißen. Ob es nun echte Juden oder bloße Großkapitalisten sind, die den faschistischen Bund mit der Politik eingegangen sind, für den einzelnen Bürger, der sich dem Bombardement der Propaganda-Medien ausgesetzt sieht, ist kein Unterschied erkennbar.

Anders als in den Protokollen vorausgesehen, verfügt heute jeder Einzelne über die Macht, die Öffentlichkeit und seine Mitmenschen zu erreichen. Zu Zeiten Thälmanns und Hitlers kostete eine Druckerei-Einrichtung Zehntausende Reichsmark und es bedurfte einiger ausgebildeter Leute, um diese zu bedienen. Der Einstiegspreis heute liegt bei 50 Reichsmark, und für 250 Reichsmark bekommen Sie eine semiprofessionelle Ausstattung. Reichsmark? Hängen Sie eine Null an, und Sie haben die Preise in Euro!

Für 500 Euro bekommen Sie einen internetfähigen Computer. Die nötige Software finden Sie kostenlos im Internet, und schon sind Sie nicht mehr bloßer Konsument, sondern Produzent! Ob Sie in Foren schreiben, die Meldungen der Tageszeitungen kommentieren oder eine eigene Internetseite aufsetzen - für diesen geringen Betrag sind Sie dabei, nicht mehr Zuschauer, sondern Mitspieler.

Für 2.500 Euro bekommen Sie einen leistungsfähigen Rechner, entsprechende Programme und einen guten Laserdrucker. Jetzt können Sie nicht nur elektronisch gestalten, sondern auch in die Offline-Welt hinaustreten. 500 Flugblätter sind schnell gedruckt. Fahren Sie zehn Kilometer und machen Sie einen kleinen Nachtspaziergang, und schon sind diese Flugblätter im Briefkasten. Wenn Ihnen partout kein Text einfällt, im Internet finden Sie genügend Vorlagen.

Der übliche Politiker ist eine Mischung aus Hanswurst und Papagei. Zum einflußlosen Hanswurst, der auf Handzeichen Männchen macht und Pfötchen gibt, degradiert ihn seine eigene Partei. Zum Papagei, der alles nachplappert, verurteilt ihn seine eigene Ideenlosigkeit, denn welcher charakterstarke, intelligente und kreative Mensch läßt sich von ein paar Parteifunktionären zum Hanswurst machen? Lesen Sie eine Stunde im Internet, und Sie verfügen über Informationen, die diesen Papageien-Hanswurst ins Schwitzen bringen!

Was in den Parlamenten sitzt, ist in der Regel dumm und frech. Als Journalisten die Abgeordneten nach den wichtigsten Entscheidungen der Legislaturperiode, dem Lissabon-Vertrag und dem dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM befragt haben, nicht nach Details, sondern nach dem, was jeder aufmerksame Zeitungsleser gewußt hätte, mußten diese Herrschaften passen. Die Partei hat immer recht, und wenn die Partei sagt, Männchen machen oder Pfötchen heben, wird gehorcht.

Machen Sie sich doch den Spaß und fragen Sie Ihren Abgeordneten auf einer öffentlichen Versammlung oder an seinem Stand im Wahlkampf nach diesen Dingen. Nicht nach den Parolen seiner Partei, die hat man ihm eindressiert. Ob die Straßenbahn durch das Oegg-Tor fahren soll, das weiß er auch, darauf hat man ihn vor dem Lokaltermin vorbereitet. Aber woher das Geld kommen soll, sobald eine dieser läppischen Bürgschaften für Griechenland fällig wird, das weiß er nicht, obwohl er sein Pfötchen gehoben hat, als diese Bürgschaft eingegangen wurde. Dann werden die Antworten dumm und schließlich frech, bis hin zur Wählerbeschimpfung. Filmen Sie das ruhig mit Ihrem Handy, solche Aufnahmen schauen sich die Leute gerne bei YouTube an. Und wenn Ihre Tochter noch als Unbeteiligte einen Leserbrief schreibt, in dem sie sich über das Verhalten des Abgeordneten entrüstet, wird dieser womöglich gedruckt.

Sie finden zahlreiche Möglichkeiten, als kleine Hornisse Ihren Stich zu setzen. Anonym, gefahrlos, kreativ, denn bis der Gestochene zum Knüppel greift, sind Sie bereits davongeflogen. Und schon stechen die nächsten Hornissen. Sie können das! Jeder kann das heute, die Mittel sind vorhanden! Sie entschwinden in die Formlosigkeit, und wo immer sich eine Blöße bietet, stechen Sie hinein, bleiben höchstens für ein paar Sekunden greifbar, dann entschwinden Sie wieder.

Und sollte Ihnen gar nichts einfallen, wählen Sie wenigstens destruktiv. Was immer die Parteifunktionäre Ihnen vorsetzen, ist dumm und frech. Also kreuzen Sie da an, wo es diese Funktionäre ärgert. Über Nichtwähler lachen die, wer ungültig wählt, ist genauso harmlos. Kommt jedoch die NPD in einen Landtag, dann entrüsten sich diese Herrschaften öffentlich, das tut ihnen weh. Hin und wieder ist es sogar destruktiv, eine der Sozialistischen Einheitsparteien Deutschlands zu wählen. Eine Stimme für die SPD ist eine Stimme gegen Merkel, eine Stimme für die Grünen beschleunigt den Untergang dieser bürgerfeindlichen Republik.

Schwarmintelligenz

Die Rezepte, die Thälmann und Hitler angewendet haben, sind überholt. Lenin und Mao waren Denker ihrer Zeit, nicht der heutigen. Und die 68er? Das waren und sind nur Sklaven eines fremden, gegen Deutschland gerichteten Denkens, die damals nur gegen die Herrschaften in den Dienstwägen protestiert haben, um dereinst selbst in diesen Dienstwägen zu sitzen. Wo immer die 68er selbst zu denken wagten, endete ihr Dilettieren im Chaos, und wo sie sich kein Chaos leisten konnten, benötigten sie Dritte, die für sie das Denken übernahmen. Die rot-grüne Schröder-Regierung hat uns den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr beschert, geradezu widersinnig für Leute, die einstmals gegen den Vietnamkrieg protestiert hatten. Für die Arbeitsmarktreform benötigte diese Regierung den verurteilten Straftäter Peter Hartz, für ihre Praxisgebühr einen Horst Seehofer und für das Dosenpfand Jahre des Ausprobierens.

Ja, ich weiß, es steckt eine gewisse Ironie darin, das, was vor hundert oder auch nur fünfzig Jahren funktioniert hat, für vollständig überholt zu erklären und sich gleichzeitig auf Weisheiten zu berufen, die vor über 2.000 Jahren niedergeschrieben worden sind. Tatsächlich sind diese Weisheiten noch weitaus älter, älter als die Menschheit.

Auf den ersten Blick ähneln sich die Organisationsformen "Herde" und "Schwarm" sehr. In beiden Fällen handelt es sich um eine Gruppe von Tieren, die als Gemeinschaft auftritt. Die Herde hat jedoch eine Struktur, eine Hierarchie, eine Leitkuh. Diese Leitkuh bestimmt, in welche Richtung die Herde zieht. Bricht die Leitkuh auf, folgen alle, rennt die Leitkuh davon, folgt die ganze Herde. Angeblich genügte es, das Leittier als erstes zu erschießen, um danach eine stoisch wartende Büffelherde in aller Ruhe niederzumetzeln.

Die Herde nimmt dem Einzelnen das Denken ab. Er braucht nur mitzulaufen, das tun, was alle tun, das schreien, was alle schreien. Die Herde paradiert vor Honecker und findet, daß Merkel einen guten Job macht. Die Herde kreuzt CDU an, weil die unter Adenauer und Erhard das Wirtschaftswunder zuwege gebracht haben, oder SPD, weil das der Vater und der Großvater auch schon getan haben. Die Herde mäht am Samstag den Rasen, und sollte das verboten werden, freut sie sich, daß das Gras so hoch steht. Die Herde, das sind Thälmann und Hitler, Honecker und Kohl, Merkel und Trittin. Die fügsame Herde ist der Wunschtraum der Demokraten und das Ende der Demokratie.

Der Schwarm ist nicht hierarchisch, sondern anarchisch organisiert. Das einzelne Individuum beobachtet seine Mit-Individuen im Schwarm, nicht irgendeine Leitkuh. Wenn Schwarmmitglied 937 eine Gefahr erkennt und ihr ausweicht, weicht der gesamte Schwarm aus, bildet eine Lücke, durch die ein Angreifer hindurchschießt. Minuten später folgen alle Schwarmmitglied 418, das eine Futtergelegenheit gefunden hat. Dann ist es Schwarmmitglied 166, das den Schwarm zum Auffliegen veranlaßt. Es sieht nach Herdenverhalten aus, doch es ist in Wahrheit das genaue Gegenteil, die Entscheidung des Einzelnen, einem Vorbild zu folgen. Auf die gleiche Weise kann dieser Einzelne das Vorbild für den ganzen Schwarm werden, die Leitkuh für einige Sekunden, bis eine neue Leitkuh mehr Erfolg verspricht. Die Entscheidung fällt spontan, sie wird nicht durch eine Befehlskette erzwungen.

Damit sind wir bei Sun Tzu und bei der Auftragstaktik. Thälmanns und Hitlers Parteien waren nicht schwarmintelligent, sie wurden zentral geführt. Ein paar Zufälle, ein paar Weichenstellungen haben dazu geführt, daß nicht Thälmanns Revolution, sondern Hitlers Machtergreifung zum Zuge kam. Der Aufstieg des Einen führte zum Untergang des Anderen, ein Hammerschlag hat genügt, und die KPD versank in der Bedeutungslosigkeit.

Dem Schwarm macht es nichts aus, wenn er ein paar Mitglieder verliert, solange die Übrigen weiterhin dem Auftrag folgen. Natürlich bleibt es eine Frage der Moral, ob man für ein besseres Deutschland kämpft oder sich wegduckt, doch auch hier ist der Schwarm überlegen. Wer am 10. November 1923 die NSDAP verlassen hat, der war, wenn er im Februar 1933 wieder eingetreten ist, eben kein "alter Kämpfer", der das goldene Parteiabzeichen und den Blutorden bekommen hat. Die Mitgliedschaft im Schwarm ist freiwillig, wer für Wochen, Monate oder Jahre aussetzen will, kann das von einem Tag auf den anderen tun. Ihn wird keine Abordnung der Partei besuchen und befragen, ob er noch zu Revolution oder Bewegung steht. Und wenn die Auszeit vorüber ist, wird der Schwarm ihn wieder willkommen heißen, so wie jedes andere neue Mitglied auch.

Der Schwarm hat keine wirklichen Führer, folglich gibt es dort keine Titel und keine Dienstwagen. Ob jemand aktiv an die Front geht oder nur passiv mitliest, ist für den Schwarm egal. Wer den Schwarm führt, tut dies für einige Augenblicke, nicht für alle Zeiten. Dieser Augenblicks-Führer hat in diesem, in seinem Augenblick recht, doch schon morgen kann er sich völlig verrennen. Der Schwarm ist gerade keine Partei mit Unfehlbarkeitsanspruch. Der Schwarm braucht Unterstützer, materiell wie ideell, aber keine Vereinsbeiträge.

Die neue Partei, die Piraten, sind gerade dabei, sich vom Schwarm zur Hierarchie umzubilden. Ich muß sie hier betrachten, auch wenn ich davon ausgehe, daß es sich um eine absichtsvoll gegründete und längst infiltrierte Gruppierung handelt. Die bewährten Rattenfänger-Methoden der Demokraten haben aus den friedensbewegten und konservativen Grünen eine Linkspartei der Besserverdienenden werden lassen, die sich um Posten und Dienstwagen streitet. Die "liquide Demokratie" der Piraten ist eine Schwarmorganisation, wie lange diese fortbesteht, wenn nicht nur Mandate, sondern zusätzlich Posten und Dienstwagen verteilt werden, wird die Zeit zeigen.

Eines muß ich jedoch ganz klar zu den Piraten sagen: Sie sind bereits jetzt mehr Hund als Schwarm, und daraus, daß der große Hammer nicht auf sie herniederfährt, entnehme ich, daß die Partei von wem auch immer gewollt ist. Sie soll das Protestpotential an sich binden und von dort weglocken, wo es tatsächlich etwas bewirken könnte. Im Märchen vom tapferen Schneiderlein haben sich die Fliegen verlocken lassen, das Ergebnis hat sich der Titelheld auf den Gürtel gestickt: Sieben auf einen Streich.

Das Ziel: Überleben

Thälmann und Hitler wollten die Macht im Staat. Ein solches Ziel hat zwar eine schlechte Presse, doch es ist trotzdem ein ehrliches und erstrebenswertes Ziel. Im Jahr 2012 geht es jedoch um mehr. Deutschland ist in seiner Existenz bedroht, mehr als jemals zuvor in seiner wechselvollen Geschichte. Weder die Pest noch der 30jährige Krieg haben so große Schäden in unserem Land hinterlassen, auch nicht Napoleon, die reichslose Zeit bis 1871 und die Besatzung nach dem zweiten Weltkrieg. Nicht die Besatzung, sondern die "Reeducation", der fortgesetzte Propagandakrieg gegen alles, was deutsch ist, hat uns in diese Gefahr gebracht.

Wir werden nicht mehr von einer Elite regiert, sondern von Leuten, die ihre Seele einem Feind verkauft haben, der üblere Eigenschaften an den Tag legt als der Teufel des Mittelalters. Es geht nicht wie einst um das Seelenheil einiger Christenmenschen, es geht um die Seele einer ganzen Nation. Der Preis, der für die "Wiedervereinigung" gezahlt wird, ist die Auflösung all dessen, was einst Deutschland gewesen war, in einem Europa jenseits der Vaterländer. Ein ganzes Volk wird enteignet, Fremde werden ins Land geholt, um auf Kosten der Deutschen ernährt zu werden. Der Dank an jene Deutschen besteht aus Aggression und Kriminalität, die aus den veröffentlichten Nachrichten getilgt wird, um ihr wahres Ausmaß zu verschleiern. Eine Justiz aus furchtbaren Juristen verfolgt gnadenlos jede abweichende Meinungsäußerung und verschließt zugleich beide Augen, wenn sich sogenannte Zuwanderer an Deutschen vergehen.

Es ist soweit gekommen, daß wir, die Deutschen, im eigenen Land Bürger minderen Rechts geworden sind. Ich habe 1976 als Soldat folgenden Eid geleistet: "Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." Jene Bundesrepublik Deutschland von 1976 existiert nicht mehr, sie wurde 1990 aufgelöst, indem sie sich der DDR angeschlossen hat, zu einem Gebilde, das mit dem Staat, der damals existiert hatte, gerade einmal den Namen gemein hat. Wer das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer verteidigen will, muß sich gegen das stellen, was sich heute Deutschland nennt.

Wenn Deutschland, wenn das deutsche Volk überleben soll, dann gilt es, den Kampf aufzunehmen, nicht als Partei, nicht als Bewegung, sondern aus der Formlosigkeit heraus, jenseits dessen, was die Feinde des deutschen Volkes angreifen können. Wer immer als Soldat jenen Eid geleistet hat, sei hiermit zu der Truppe gerufen. Nicht zu den Waffen, denn diese würden wir ebenfalls auf die fehlgeleiteten deutschen Mitbürger richten, die wir beschützen und verteidigen wollen. Die Gewalt belassen wir bei Thälmann und Hitler, Honecker und Kohl, Merkel und Trittin. Es gilt nicht zu zerstören, sondern aufzubauen. Dafür eignen sich die Waffen des Geistes weitaus besser, denn genau das, den kreativen Geist, haben wir jenen Demokraten voraus, die sich dem Feind verkauft haben.

Wir fordern einen wehrlosen, einen geistlosen Riesen, der nichts weiter besitzt als einen großen Hammer. Die Dinosaurier sind ausgestorben, die Insekten haben ebenso überlebt wie die Fische. Die fernen Nachkommen der Dinosaurier, die Vögel, haben den Schwarm erlernt, den Aufstieg zu dessen Intelligenz gemeistert.

Und allen, die sich fragen, was geschehen soll, wenn der Schwarm gesiegt hat: Eine einmal gefestigte Bewegung, eine Partei, wird es niemals schaffen, sich in die Formlosigkeit aufzulösen und doch ihren Zusammenhalt zu behalten. Ein Schwarm hingegen kann sich allem anpassen. Die Truppen, die Sun Tzu in der Formlosigkeit geführt hatte, haben sich bei Bedarf zusammengeschlossen und den Feind mit überlegenen Kräften besiegt. Aus dem Schwarm heraus läßt sich eine Regierung bilden, ein neuer, besserer Staat organisieren. Der Schwarm hat die Ideen geprüft, er hat die Konzepte erarbeitet. Wo es den Revolutionären nur darum ging, selbst in den Schlössern und den Dienstwagen zu sitzen, ist der Schwarm in seiner Vielfalt daran interessiert, ein neues, ein besseres, ein gerechteres, ein wahrhaft freies Deutschland zu schaffen.

Wir im Schwarm denken nicht an die nächste Wahl, wir denken an und arbeiten für die nächsten Generationen!

© Michael Winkler